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Schulsozialarbeit

Konzept zur Einstellung einer Fachkraft für Schulsozialarbeit an der

Ganztagsrealschule Odenthal

(vorläufige Fassung April 2018)



1. Präambel

Infolge wachsender gesellschaftlicher Veränderungen tragen Kinder und Jugendliche zunehmend ihre sozialen Bedürfnisse in die Schule. Immer öfter erschweren diese das Miteinander im Klassenverband oder das Erreichen des angestrebten Abschlusses.

Schule ist heute, besonders im Ganztag, sowohl Lern- als auch Lebensort.

Angesichts der zunehmenden Komplexität von Erziehung und Bildung wendet sich die Schulsozialar-beit nach dem Prinzip der Freiwilligkeit präventiv, unterstützend, vertraulich und krisenintervenierend an alle Schüler , Lehrkräfte und Erziehungsberechtigte.

Durch regelmäßige Präsenz soll sie zum selbstverständlichen Angebot an der Schule werden. Schulsozi-alarbeit findet an den Ort statt, wo Kinder und Jugendliche Zeit verbringen, wo wesentliche Entschei-dungen über ihre Zukunftschancen fallen und wo Probleme frühzeitig sichtbar werden.


2. Was ist Schulsozialarbeit?

Schulsozialarbeit ist ein Angebot der Jugendhilfe, bei dem sozialpädagogische Fachkräfte kontinuierlich am Ort Schule tätig sind und mit Lehrkräften auf einer verbindlich vereinbarten und gleichberechtigten Basis zusammenarbeiten, um junge Menschen in ihrer individuellen, sozialen, schulischen und berufli-chen Entwicklung zu fördern, dazu beizutragen, Bildungsbenachteiligungen zu vermeiden und abzu-bauen, Erziehungsberechtigte und Lehrer bei der Erziehung und dem erzieherischen Kinder- und Ju-gendschutz zu beraten und zu unterstützen sowie zu einer schülerfreundlichen Umwelt beizutragen .


3. Rahmenbedingungen

3.1 Allgemeine rechtliche Grundlagen - Grundgesetz Artikel: Grundrechte (insbesondere 1-7) - Landesverfassung NRW (insbesondere 6-14) - BGB § 1626 ff (Elterliche Sorge) - Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII §1, § 8a, §11, §13, §14, §16) - StGB § 203 (Schweigepflicht) - Schulgesetz NRW (SchulG)

Schulsozialarbeit leitet sich aus dem gemeinsamen Bildungs- und Erziehungsauftrag ab, der in 81§ SGB VIII und dem §42, SchulG verankert ist. Sie befindet sich an der Schnittstelle zwischen Schule und Ju-gendhilfe/ Jugendsozialarbeit unter Einbeziehung der inner- und außerschulischen Bezugssysteme der Schüler (Familien und sonstige Erziehungsinstanzen).

Der Arbeitsauftrag und die Grundlagen zum Tätigkeitsprofil sind im Erlass „Beschäftigung von Fach-kräften für Schulsozialarbeit in NRW“ (BASS 21-13 Nr. 6) festgelegt. Gemäß Erlass richten sich Ange-bote an Schüler, Lehrer und Eltern/ Sorgeberechtigte und orientieren sich an den unter Punkt 3.1. ge-nannten rechtlichen Grundlagen. „Fachkräfte für Schulsozialarbeit arbeiten in gemeinsamer Verantwor-tung mit den Lehrkräften der Schule insbesondere an der sozialen und kulturellen Integration sowie an der individuellen Förderung der Schüler und tragen so zu einem umfassenden Bildungs- und Erzie-hungsangebot bei.“


3.2 Schulspezifische Grundlagen

3.2.1 Organisationsrahmen der Schule

Die Ganztagsrealschule Odenthal ist eine ländlich gelegene gebundene Ganztagsschule im Rheinisch-Bergischen Kreis. Sie bildet mit dem Gymnasium das Schulzentrum Odenthal. Die 2013 gegründete Realschule befindet sich noch im Aufbau. Sie ist 2,5 zügig und hat zurzeit 370 Schüler in den Jahr-gangsstufen 5-9. Die Klassen der Jahrgänge 5-8 werden mit je zwei Klassenlehrern betreut.

Zum Einzugsgebiet gehören überwiegend Odenthal mit den umliegenden Ortschaften. Ein geringer Teil der Schüler kommt aus den umliegenden Städten und Gemeinden wie Kürten, Wermelskirchen, Bur-scheid und Bergisch-Gladbach. Die Schüler erreichen die Schule zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öf-fentlichen Verkehrsmitteln (Bus).

Ein Großteil der Kinder und Jugendlichen ist in die standorttypischen Sozialstrukturen (verwandtschaft-liche Beziehungen, Nachbarschaft, Vereinsleben) eingebunden.


3.2.1.1 Soziokultureller Hintergrund

Die Schülerklientel entstammt allen Gesellschaftsschichten. Der Anteil an Familien mit Sozialhilfebe-rechtigung ist gering, ebenso der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund.

Wenngleich die Folgen sozialer Ungleichheit nicht in dem Maße in Erscheinung treten wie großstädti-schen Brennpunkten, so zeigen sich dennoch Auswirkungen des sozialen Ungleichgewichts in der Schule. Soziale Probleme resultierend aus Migrationshintergrund, Arbeitslosigkeit, Drogen- bzw. Suchtproblema-tik, Gewalterfahrungen in der Familie, alleinerziehenden Elternteilen, Folgen von Trennung und Schei-dung der Eltern drücken sich bei den Schülern im Umgang mit physischer und psychischer Gewalt, Mob-bing, Drogenkonsum, Kriminalität, Schulabsentismus etc. aus. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass in Folge des gesellschaftlichen Wandels Lern- und Konzentrations-störungen, psychosoziale Auffälligkeiten und psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen – unabhängig des sozialen Hintergrundes - zunehmen.


3.2.1.2 Ganztagsschule

Als gebundene Ganztagsschule beginnt der Unterricht um 8.15 Uhr und endet an drei Tagen (Mo, Mi, Do) um 15.oo Uhr, an zwei Tagen (Di und Fr) um 13.30 Uhr. Zwischen 8.00 und 8.15 Uhr können die Schüler im Rahmen des offenen Beginns die Räume unter Aufsicht bereits aufsuchen.

An den Langtagen haben die Schüler eine 45-minütige Mittagspause, in der die Mensa geöffnet ist. Es gibt Angebote wie den organisierten Pausensport in der Sporthalle, Sportgeräteausleihe auf dem Schul-hof sowie Räumlichkeiten für Gesellschaftsspiele.

Alle Jahrgangsstufen haben bis zu 5 Stunden Lernzeit pro Woche. Die Klassen 5 und 6 haben diese im Klassenverband, in den Jahrgängen 7-9 werden sie jahrgangsübergreifend organisiert.


3.3. Trägerschaft und Organisationsgrundlagen

Fachkräfte für Schulsozialarbeit sind Bedienstete des Landes und besetzen eine Lehrerstelle der Schule. Schulen können mit einer Stellenzahl von bis zu 100 Stellen in der Regel bis zu eine Lehrerstelle mit Fachkräften für Schulsozialarbeit besetzten. An Ganztagsschulen sind Stellenanteile oder Stellen des Ganztagszuschlags in Anspruch zu nehmen .

Sie sind dem Schulleiter und der Schulaufsicht unterstellt die alle arbeits- und personalrechtlichen Berei-che vertreten. Als Mitglieder der Lehrerkonferenz können sie in alle schulinternen Gremien gewählt und beauftrage werden, die Schule in externen Arbeitskreisen zu vertreten.

Der Wirkungsbereich der Schulsozialarbeit liegt vorwiegend in der Schule. Hier soll ein geeigneter Raum mit angemessener materieller Ausstattung bereitgestellt werden, damit die Tätigkeit angemessen ausgeübt werden kann. 4. Ziel der Schulsozialarbeit

Die Schulsozialarbeit ist ein Angebot der Jugendhilfe. Sozialpädagogische Fachkräfte sind am Ort der Schule tätig und arbeiten mit Lehrkräften auf einer verbindlich vereinbarten und gleichberechtigten Basis zusammen. Junge Menschen werden in ihrer individuellen, sozialen, schulischen Entwicklung gefördert und Erziehungsberechtigte und Lehrkräfte bei der Erziehung unterstützt. Mögliche Arbeitsschwerpunkte der Schulsozialarbeit: • Beratung und Einzelfallhilfe - Beratung und Begleitung von Jugendlichen in Krisensituationen - Mobbingintervention - Hilfe und Beratung bei Problemen im Freundeskreis - Kooperation mit anderen Instituten (z.B. sexueller Missbrauch, Schwangerschaft, Sucht) - Hilfen bei der Beantragung von Bildung- und Teilhabe

• Sozialpädagogische Gruppenarbeit - Sozialtraining zur Förderung der Klassengemeinschaft und der sozialen Kompetenzen - Mitarbeit bei Projekttagen (Erlebnispädagogik 7, …) - Kommunikationstraining - Präventionsarbeit (Sucht/Gewalt/Medien/…)

• offene Angebote - Mittagspause - AGs - Nachmittagsbetreuung

• Elternarbeit - bedarfsorientierte themenbezogene Elternabende (soziale Medien, Pubertät…) - Konfliktberatung bei Erziehungskrisen - Beratung bei Erziehungsfragen zu Auffälligkeiten (Essstörung, Selbstverletzung, Aggression…) - Beratung bei Schulmüdigkeit, Schulverweigerung - Teilnahme an Pflegschaftssitzungen - Lebenspraktische Beratung und Hilfe

• Zusammenarbeit mit dem Lehrerkollegium - Problemberatung mit Lehrkräften - Entlastung der Klassenleitungen durch Übernahme intensiver Kontakte zum Elternhaus - Teilnahme an Lehrerkonferenzen, Dienstbesprechungen, pädagogischen Konferenzen - Mitarbeit bei der Einrichtung eines Auszeitraums

• Krisenintervention

• Netzwerkarbeit - Leistungsanbieter im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets - Kooperation (extern) mit

		- Schulpsychologischer Dienst
 		 - externen Beratungsstellen (Erziehungsberatung, Fachdienst Prävention, Lobby für Mädchen,…) 
 		 - Kommissariat Vorbeugung
		 - Jugendfreizeiteinrichtungen (OJO)
  		 - Jugendamt
 		 - Kommunales Integrationszentrum 

- Kooperation (intern) mit

  		- Beratungsteam
 		 - Klassenleitung
  

5. Qualitätssicherung und Fortbildung Schulsozialarbeit dokumentiert regelmäßig Beratungsgespräche mit Schülern, Eltern und Lehrern. Die Beratungstätigkeiten werden unter Beachtung der Schweigepflicht dokumentiert. Dadurch hat Schulsozi-alarbeit die Möglichkeit, sich ein umfassendes Bild der jeweiligen Situation zu erstellen und auch später auf Beratungsnotizen zurückgreifen zu können. Schulsozialarbeit nimmt an unterschiedlichen Fortbildungen teil, die die Möglichkeit zur Weiterent-wicklung der fachlichen und persönlichen Kompetenz bieten. Dazu gehören regional verankerte Wei-terbildungsangebote oder schulinterne Lehrerfortbildungen (SchiLF-Tage). Zur ergänzenden Weiterentwicklung und Reflexion der eigenen beruflichen Rolle besteht die Möglich-keit der Teilnahme an Supervisionsangeboten, um Fallbeispiele aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten und bearbeiten zu können.


Dieses Konzept ist ein erster Entwurf und bedarf der regelmäßigen Evaluation.