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LRS

Konzept der Ganztagsrealschule Odenthal zur Förderung von Schülerinnen und Schülern bei besonderen Schwierigkeiten im Erlernen des Lesens und Rechtschreibens

(Stand 04.10.2019)


1. Vorbemerkung

Der Beherrschung der Schriftsprache kommt für die sprachliche Verständigung, für den Erwerb von Wissen und Bildung, für den Zugang zum Beruf und für das Berufsleben besondere Bedeutung zu und ist die Basis für aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Miteinander. Daher hat die Ganztagsrealschule Odenthal für Schülerinnen und Schüler die besondere Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Rechtschreibens haben, ein Förderkonzept entwickelt. Das im Folgenden beschriebene Konzept bildet den Ist-Stand ab und wird mit Beschluss der Fachkonferenz Deutsch im kommenden Schuljahr eine deutliche Erweiterung erfahren, indem das Diagnoseverfahren durch die Hinzuziehung der Angebote des Lernservers erleichtert und die Auswahl der Fördermaterialien noch individueller auf die betroffenen Schülerinnen und Schüler zugeschnitten werden soll.

2. Ziele und Aufgaben

Das Konzept der Ganztagsrealschule Odenthal orientiert sich am LRS-Erlass NRW (RdErl. d. Kultusministeriums v. 19. 07. 1991) und soll betroffene Schülerinnen und Schüler stärken, ihre Nachteile ausgleichen und sie LRS-spezifisch fördern. Auf diese Weise erwerben die Schülerinnen und Schüler die grundlegende Fähigkeit, Texte zu lesen und lesend zu verstehen sowie die Rechtschreibsicherheit kontinuierlich weiterzuentwickeln. Diese Fähigkeiten müssen auch in den Fremdsprachen systematisch aufgebaut werden. Nach dem LRS-Erlass gelten als LRS-Schüler: • „…SuS, denen die notwendigen Voraussetzungen für das Lesen- und Schreibenlernen noch fehlen und die die grundlegenden Ziele des Lese-und Rechtschreibunterrichts nicht erreichen.“ • In den Jahrgangsstufen 5/6: „…alle SuS, deren Leistungen im Lesen oder Rechtschreiben über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten nicht entsprechen.“ • In den Jahrgangsstufen 7-10: „…wenn in Einzelfällen deren besondere Schwierigkeiten im Lesen oder Rechtschreiben bisher nicht behoben werden konnten.“

Ziel ist es, für die betroffenen Schülerinnen und Schüler ein Lernklima zu schaffen, in welchem sie gezielt an ihren individuellen Fehlerschwerpunkten arbeiten, trotz LRS ihr Selbstwertgefühl stärken, motiviert am Schulunterricht teilnehmen und den für sie optimalen Schulabschluss erreichen können.

3. Verfahren zur Feststellung eines Förderbedarfs

In den ersten sechs Wochen nach ihrem Eintritt in die Ganztagsrealschule Odenthal nehmen alle Schülerinnen und Schüler der Ganztagsrealschule Odenthal an einem Sprachstandtest teil. Der zweiteilige Test besteht aus einem Lesetest, der das Leseverstehen auf Satzebene prüft, und einem kurzen Diktat, welches so ausgewählt ist, dass es gängige Fehlerschwerpunkte abdeckt. Die Ergebnisse dieser Testung und die Einschätzung des unterrichtenden Fachlehrers, der durch den täglichen Umgang die individuellen Schwierigkeiten des Lernenden beschreiben und spezifizieren kann, werden der Fachkonferenz vorgelegt, welche dann über den Förderbedarf beschließt. Bei der Feststellung des Förderbedarfs spielen folgende Kriterien eine Rolle: • Auswertung nach absoluter Fehlerzahl • quantitative und qualitative Fehlerauswertung (individuelle Problemlage der Schülerin oder des Schülers) • Beobachtungen des unterrichtenden Fachkollegen sowie Kollegen aus dem Bereich Fremdsprachen • Diagnosebescheinigungen von externen qualifizierten Instituten wie dem schulpsychologischen Dienst, Kinder- und Jugendpsychotherapeuten etc. werden anerkannt, sofern die Bescheinigungen nicht älter als ein Jahr sind.


4. Förderangebote

Hat die Fachkonferenz bei einer Schülerin oder einem Schüler einen Förderbedarf festgestellt, besteht für die Schülerin oder den Schüler die Möglichkeit, in einer kleinen Lerngruppe einmal pro Woche eine 45-minütige Förderstunde zu besuchen. Diese Förderstunde beinhaltet sowohl kurze allgemeine Einheiten als auch lange Phasen des selbstständigen Arbeitens an individuellen Fehlerschwerpunkten. Unter kurzen allgemeinen Einheiten sind einzelne Stunden zu verstehen, in denen sich alle Schülerinnen und Schüler mit einem bestimmten Phänomen auseinandersetzen (Beispielsweise beginnt der Förderkurs – basierend auf positiven Rückmeldungen betroffener Schülerinnen und Schüler - in jedem Schuljahr mit dem Training einer zusammenhängenden Schreibschrift, um ein Gefühl für Worte als Einheiten zu vermitteln, damit Schülerinnen und Schülern Wortgrenzen bewusst werden.) In den Phasen des selbstständigen Arbeitens an individuellen Fehlerschwerpunkten arbeiten die Schülerinnen und Schüler – basierend auf ihren Testergebnissen hinsichtlich Qualität und Quantität der Fehler – mit auf ihre speziellen Problematiken zugeschnittenen Materialien Die Fördergruppen sind ein Angebot der Schule, können aber auch durch Förderangebote externer Institute ergänzt bzw. ganz ersetzt werden.


5. Dauer des Förderangebotes Unser Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler spätestens am Ende der Klasse 6 aus der Fördermaßnahme entlassen werden können, weil sie die wichtigsten Rechtschreibstrategien beherrschen. Am Ende der Jahrgangsstufen 5 und 6 erfolgt daher innerhalb des Förderkurses ein erneuter Test um den Lernfortschritt zu prüfen. Sollte die Testung am Ende der Jahrgangsstufe 5 ergeben, dass die Schülerin bzw. der Schüler über Kompetenzen und Kenntnisse im Bereich der Rechtschreibung und Lesefähigkeit verfügt, die alters- und jahrgangsangemessen sind, so wird sie oder er aus dem Kurs entlassen. Sollte die Testung am Ende der Jahrgangsstufe 6 ergeben, dass die LRS innerhalb der letzten zwei Jahre nicht behoben werden konnte, darf die Schülerin oder der Schüler – sofern die Schule über die nötigen Kapazitäten verfügt – im Kurs verbleiben. Sollte die Kapazität der Schule jedoch nicht genügen – denn eine sinnvolle Förderung ist nur dann möglich, wenn die Lerngruppe möglichst klein gehalten wird – wird die Schülerin oder der Schüler mit Hilfe eines Förderplanes und Materialien zu Hause weitergefördert.


6. Nachteilsausgleich

Laut Erlass hat die Schülerin oder der Schüler bei einer festgestellter LRS – unabhängig davon, ob der Förderbedarf seitens der Schule oder einer externen Institution festgestellt wurde - zusätzlich zu den Fördermaßnahmen einen Anspruch sowohl auf Notenschutz als auch auf einen Nachteilsausgleich.

• „Die Rechtschreibleistungen werden nicht in die Beurteilung der schriftlichen Arbeiten und Übungen im Fach Deutsch oder in einem anderen Fach mit einbezogen.“ • Als Nachteilsausgleich kann die Lehrkraft bei Tests zur Feststellung der Rechtschreibleistung „eine andere Aufgabe stellen, mehr Zeit einräumen oder von der Benotung absehen und die Klassenarbeit mit einer Bemerkung versehen, die den Lernstand aufzeigt und zur Weiterarbeit ermutigt.“

Dies bedeutet, dass betroffene Schülerinnen und Schüler in allen Fächern neben dem Notenschutz weitere individuelle abgestimmte Maßnahmen erhalten, die seinen Nachteil ausgleichen. Dies können z.B. andere Aufgaben, ein größeres Schriftbild oder längere Bearbeitungszeiten sein oder die Möglichkeit, am PC zu arbeiten. Damit Notenschutz und Nachteilsausgleich gewährt werden können, muss der Förderbedarf entweder durch Beschluss der Fachkonferenz festgestellt worden sein oder eine aktuelle (nicht älter als ein Jahr) Diagnosebescheinigung einer externen Institution vorliegen. Zudem muss die Schülerin oder der Schüler am Förderangebot der Ganztagsrealschule Odenthal teilnehmen oder einen Nachweis über eine externe Förderung beibringen. Alle die Schülerin oder den Schüler unterrichtenden Fachkollegen werden zu Beginn des Schuljahres oder nach Feststellung des Förderbedarfs über den Förderbedarf von der Fachkonferenz Deutsch informiert, sodass der Nachteilsausgleich in allen Fächern gewährt werden kann Für die Abschlussprüfungen am Ende der Jahrgangsstufe 10 muss der Nachteilsausgleich durch die Schule bei der Bezirksregierung Köln beantragt und von dieser genehmigt werden.